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Fiche de cours

daz sagech u zware! Fiktionalität als ästhetisches Problem im 12. bis 16. Jahrhundert

daz sagech u zware! Fictionality as an aesthetic problem in the 12th to 16 century

Faculté de gestion: Faculté des lettres

Responsable(s): Christine Putzo
Intervenant(s): -

Période de validité: 2013 -> 2013

Pas d'horaire défini.

Cours-Séminaire

Semestre d'automne
2 heures par semaine
28 heures par semestre

Langue(s) d'enseignement: allemand
Public: Oui
Crédits: 0

Contenu

"Viel lügen die Dichter!" - in der Auseinandersetzung mit diesem Vorwurf des griechischen Königs Solon sieht Hans Blumenberg nichts weniger als einen "Gesamttitel" für die abendländische Dichtungstheorie seit der Antike. Der Begriff der Fiktion als einer legitimen Grösse zwischen Wahrheit und Lüge ist heute so selbstverständlich, dass es einer gewissen Anstrengung bedarf, sich vorzustellen, was es bedeutete, Geschichten zu fingieren und dennoch ihre Wahrheit behaupten zu müssen, um nicht als Lügner dazustehen. In diesem schwer auflösbaren Zwiespalt aber steckte die gesamte mittelalterlicher Literatur bis in die Frühe Neuzeit hinein: Die Entwicklung des modernen Fiktionsbegriffs ist eine kulturelle Leistung ersten Ranges, die erst in historischer Perspektive verständlich wird.
Der Cours-séminaire wird die variierenden Strategien mittelalterlicher Autoren nachzeichnen, die angebliche Wahrheit ihrer Erzählungen zu beglaubigen, sowie die langsam entstehenden Vorstufen eines Fiktionsbewusstseins in der Frühen Neuzeit herausarbeiten und jeweils an Textauszügen diskutieren. Neben der historischen Perspektive wird uns dabei auch die systematische, also literaturtheoretische und logische Analyse des Phänomens der Fiktion beschäftigen - für das es eine Vielzahl von Erklärungsversuchen, aber bis heute keine generell akzeptierte Explikation gibt.

Im Rahmen des Cours-séminaire ist der gemeinsame Besuch des interdisziplinären Workshops "Fiktionalität, Mimesis, Realismus und Phantastik - Konzepte des 'Weltbezugs' von Literatur und ihre Bedeutung für die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft heute" am 13. Dezember 2013 in Fribourg vorgesehen (ganztägig, vorbehaltlich der Terminverfügbarkeit). Auf diesem Workshop der Schweizerischen Gesellschaft für allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft wird es einschlägige Fachvorträge und Projektpräsentationen von Doktorierenden geben.

Bibliographie

Literatur (zum Einlesen):
Jan Gertken und Tilmann Köppe, Fiktionalität, in: Grenzen der Literatur. Zu Begriff und Phänomen des Literarischen, hg. von Simone Winko u.a., Berlin und New York 2009 (Revisionen 2), S. 228-266.
Jan-Dirk Müller, Literarische und andere Spiele. Zum Fiktionalitätsproblem in vormoderner Literatur, in: Poetica 36 (2004), S. 281-311.

Exigences du cursus d'études

Diese Lehrveranstaltung ist für die Abschlussphase des BA-Studiums konzipiert. Wir empfehlen Ihnen deshalb, vorher eines der obligatorischen Seminare der Littérature Médiévale (BA-ALL-2-1030) zu besuchen.

Informations supplémentaires

http://www.unil.ch/all/

Canton de Vaud
Swiss University
Unicentre  -  CH-1015 Lausanne  -  Suisse  -  Tél. +41 21 692 11 11  -  Fax  +41 21 692 26 15